top of page

Depression - Schatten auf der Seele

  • Autorenbild: Mara Reinders
    Mara Reinders
  • 23. Nov.
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn die Dunkelheit ganz nah ist.

Manchmal trifft es uns dort, wo wir es am wenigsten erwarten: nicht in Statistiken, nicht in fernen Berichten, sondern direkt in unserem eigenen Umfeld. Plötzlich sitzt die Depression mit am Tisch, steht mitten im Wohnzimmer oder schleicht sich nachts an die Seite eines Menschen, der uns am Herzen liegt. Und genau dann wird klar, wie wenig Abstand wir eigentlich zu dieser Erkrankung haben – und wie wichtig es ist, darüber zu sprechen. Auch ich kenne dieses Gefühl. Die Ohnmacht, die Sorge, den Wunsch, helfen zu wollen.


Darum schreibe ich heute. Nicht laut, nicht ironisch, sondern leise. Ernst. Und mit offenem Herzen.


Depression – ein Schatten auf der Seele

Depressionen gehören zu den häufigsten schweren Erkrankungen des Gehirns. Sie treffen Menschen quer durch alle Generationen – Eltern, Jugendliche, Kolleginnen, Freundinnen. Und oft sind sie unsichtbar, zumindest von außen. Innen aber fühlt es sich für Betroffene an wie ein bleierner Nebel: Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, gedrückte Stimmung, ein Gefühl innerer Leere oder das Empfinden, „ausgebrannt“ zu sein.


Doch die Depression zeigt sich nicht nur seelisch. Auch körperliche Symptome gehören dazu: Schlafprobleme, Schmerzen, Erschöpfung, Appetitveränderungen, Herzrasen. Der Körper spricht – lange bevor Worte es können.


Weltweit leben rund 350 Millionen Menschen mit einer Depression. Und trotzdem erhält laut WHO nur jeder vierte Betroffene eine angemessene Behandlung. Gemessen am Indikator Years Lost due to Disability (YLD) – der beschreibt, wie viele gesunde Lebensjahre durch eine Erkrankung verloren gehen – ist die Depression mittlerweile die bedeutendste Krankheitsursache weltweit.


Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens mindestens einmal eine schwere, behandlungsbedürftige Depression zu entwickeln, liegt bei 16 bis 20 Prozent. Diese Zahlen sind groß – aber erst in der Nähe werden sie real. Auch meine heutige Umfrage hat gezeigt: Fast jede*r ist betroffen oder kennt jemanden, der es ist. Die Depression ist längst mitten in unserer Gesellschaft angekommen.


Und genau dort, mitten unter uns, sitzen Menschen, die Hilfe brauchen – manchmal leise, manchmal dringend, manchmal ohne Worte.

Es liegt an uns allen, hinzusehen. Nachzufragen. Hilfe anzubieten. Niemals zu urteilen. Und Betroffene nicht allein zu lassen.


In Deutschland sterben jedes Jahr 10.304 Menschen durch Suizid, aufgrund einer Depression. Eine Zahl, die schwer auszuhalten ist – aber gerade deshalb braucht es Aufmerksamkeit, Verständnis und professionelle Unterstützung.


Eine wichtige Anlaufstelle ist die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Dort finden Betroffene und Angehörige ausführliche Informationen, einen schnellen Selbsttest, Erklärungen zum Krankheitsbild und – ganz entscheidend – Hinweise, wo man in der eigenen Nähe Hilfe bekommt. Denn auch Angehörige tragen viel mit und brauchen Schutz, Wissen und Unterstützung.


ree

Wir müssen darüber sprechen – gerade weil es wehtut

Depression ist keine Schwäche. Keine Phase. Kein „Reiß dich zusammen“.

Depression ist eine Erkrankung. Eine reale, komplexe, oft lebensbedrohliche Erkrankung des Gehirns.


Viele Menschen kämpfen jeden Tag dagegen an – manche sichtbar, viele unsichtbar. Und vielleicht ist heute der richtige Moment, einen dieser Menschen zu fragen: Wie geht es dir wirklich?


Wenn du jemanden kennst, der leidet: Bleib da. Höre zu. Ermutige, professionelle Hilfe anzunehmen. Und vergiss nicht, dich selbst zu schützen und Unterstützung zu holen, wenn du sie brauchst.


Denn niemand sollte diesen Weg allein gehen müssen. Nicht die Betroffenen. Nicht die Angehörigen. Niemand.


Wenn jemand Suizidgedanken äußert oder sich zurückzieht, ist es wichtig, schnell Hilfe zu holen. Sofort und ohne zu zögern.


Notfallkontakte in Deutschland:

  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, anonym, rund um die Uhr)

  • Online-Beratung: www.telefonseelsorge.de

  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117

  • Bei akuter Gefahr: 112 oder die nächstgelegene Notaufnahme



ree

Dieser Beitrag ist meiner Schwester gewidmet – einem Menschen voller Wärme, Humor und Licht. Sie hat tapfer gekämpft, doch die Depression war stärker.

 
 
 

Kommentare


bottom of page