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Mütterliche Intuition - warum dein Bauchgefühl schlauer ist als Google

  • Autorenbild: Mara Reinders
    Mara Reinders
  • 8. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit


Hand aufs Herz:

Wenn mütterliche Intuition ein offizieller Studiengang wäre, hätten wir alle längst einen Masterabschluss. Mit Nebenfach „Ich hab’s doch gesagt“.


Und trotzdem googeln wir.

Nachts.

Mit einem schlafenden Baby auf dem Arm.

Und landen fünf Minuten später in einer existenziellen Krise, weil irgendein Forum von 2009 sagt, unser Kind atmet falsch.


Willkommen in der wundervollen Welt zwischen Bauchgefühl und Informationsoverkill.



Mein Bauch wusste es. Mein Kopf eher nicht.


Ich glaube ja grundsätzlich, dass ich ein Mensch bin, der gut mit sich selbst verbunden ist. Ich höre auf mein Gefühl. Ich spüre schnell, wenn etwas stimmig ist – oder eben nicht.

Und genau so war es auch bei meiner ersten Schwangerschaft.


Ich wusste einfach, welches Geschlecht mein Kind haben würde.

Nicht gehofft. Nicht geraten.

Gewusst.


Ich hatte Bilder im Kopf. Träume. Visionen.

Wie mein Kind aussehen würde. Welche Züge es haben könnte. Was für ein Wesen da eigentlich zu mir unterwegs ist.


Und jetzt, zweieinhalb Jahre später?

Ich sehe mein Kind an – und denke mir regelmäßig:

Ja gut. Mein Bauch war halt wieder mal schneller als jeder Ultraschall.

Geschlecht gestimmt.

Charakter auch.

Optik? Bis auf die fehlenden Locken hat es gestimmt. Lassen wir das mal so stehen: Ich sag nur Intuition 1 – Zweifel 0.



Und dann kam Google. Und alle anderen.


So sicher ich mich innerlich gefühlt habe – so verunsichert war ich gleichzeitig.


Denn da draußen wartete sie schon:

Die Informationslawine.


Was du tun, und lassen solltest.

Was du essen darfst.

Was du nicht essen darfst.

Was du auf keinen Fall essen darfst, sonst… ja was eigentlich?


Bestes Beispiel: Sushi.

Ich liebe Sushi.


In Japan essen schwangere Frauen täglich Sushi.

Hier bei uns wird man angeschaut, als hätte man gerade vor, Benzin zu trinken.

Mein Bauch sagte:

„Wenn du weißt, woher es kommt, und es frisch ist – entspann dich.“

Das Internet sagte:

„TOD. GEFAHR. SCHLEIMHAUTENTZÜNDUNG. BAKTERIEN.“


Und ich?

Stand dazwischen.

Zwischen Gefühl und Fremdmeinung.

Zwischen innerem Kompass und äußerem Lärm.


Und ja – ich habe mich beeinflussen lassen.

Von Ratschlägen. Von Erfahrungen anderer. Von gut gemeinten Warnungen.

Nicht, weil mein Gefühl weg war.

Sondern weil es überlagert wurde.



Mutterschaft: Die Rückkehr zum Bauch.


Was ich seitdem gelernt habe – und was sich mit der Zeit wirklich verändert hat:

Meine Intuition ist nicht leiser geworden.

Ich habe nur gelernt, ihr wieder zuzuhören.


Heute, als Mutter, weiß ich:

Mein Gefühl liegt erstaunlich oft richtig.

Eigentlich fast immer.

Um ehrlich zu sein: immer.


Und jetzt, in meiner zweiten Schwangerschaft, ist etwas anders.

Ich hatte wieder sofort dieses klare Wissen: Geschlecht – zack – da ist es.

Wieder diese innere Vorstellung.

Wieder dieses leise, sichere „Hallo, ich bin da.“


Aber diesmal ist da vor allem eines: Vertrauen.


Ich muss niemandem mehr beweisen, dass ich „alles richtig mache“.

Ich darf links und rechts mehr ausblenden.

Ich darf genießen.

Ich darf mir selbst glauben.


Und das ist vielleicht das größte Geschenk von Mutterschaft überhaupt.



Ist Intuition wirklich nur „Wissen ohne Wissenschaft“?


Spoiler: Nein.

Unser Bauch denkt mit. Und zwar ziemlich clever.


Die mütterliche Intuition hat tatsächlich eine biologische Grundlage:

  • Oxytocin, auch bekannt als Kuschelhormon, stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind

  • Diese Bindung führt zu einer stärkeren Synchronisation im Gehirn

  • Mütter reagieren dadurch feinfühliger auf Signale, Stimmungen und Bedürfnisse ihres Kindes

  • Intuition entsteht aus Erfahrung, Nähe, Beobachtung – nicht aus Magie


Oder anders gesagt:

Dein Bauchgefühl ist kein Zufall.

Es ist gelebtes Wissen.



Warum es früher vielleicht einfacher war


Unsere Mütter – und Großmütter – hatten weniger:

  • weniger Google

  • weniger Foren

  • weniger Untersuchungen

  • weniger Meinungen


Nicht, weil sie unwissender waren.

Sondern weil sie nicht alles wussten.


Und ganz ehrlich?

Ich glaube, der Mensch ist nicht dafür gemacht, alles zu wissen.


Gerade in der Mutterschaft kann Wissen beruhigen –

aber es kann auch belasten.


Manchmal brauchen wir keine neue Studie.

Sondern einen Moment Ruhe.



Wie du deine Intuition (wieder) hörst


Ein paar Dinge, die wirklich helfen – ganz ohne Räucherstäbchen:


  • Weniger vergleichen

    Dein Kind ist nicht das Kind von Instagram.


  • Pausen machen

    Intuition ist leise. Angst ist laut.


  • Zeit mit deinem Kind verbringen

    Nähe schärft Wahrnehmung.


  • Fehler erlauben

    Intuition wächst mit Erfahrung – nicht mit Perfektion.


  • Dich fragen:

    Wenn du auf einer einsamen Insel wärst, wie würdest du dich entscheiden?




Am Ende geht es nicht um richtig oder falsch.


Es geht nicht darum, alles besser zu wissen.

Nicht darum, die perfekte Mutter zu sein.

Nicht darum, es allen recht zu machen.


Es geht darum, mit dir selbst im Einklang zu bleiben.


Denn eine echte, tiefe Beziehung zu deinem Kind entsteht nur dann,

wenn du mit deinem eigenen Herzen verbunden bist.


Oder, um es ganz mama-real zu sagen:

Dein Bauch weiß oft mehr als dein WLAN.


Und so ist es und wird es wohl auch immer bleiben, dass Mama es wohl besser weiss.



 
 
 

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