Warum unsere Kinder ständig zu viele Geschenke bekommen
- Mara Reinders
- 15. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Über Konsum, Weihnachten, Ostern und die leise Geschenkeblindheit
Ich sage das jetzt ganz bewusst zuerst:
Meine Kinder bekommen gar nicht so viele Geschenke.
Wirklich nicht.
Und trotzdem sitze ich manchmal in anderen Wohnzimmern, schaue mich um und denke:
„Spielt das Kind hier – oder ist das ein Spielzeuglager?“
Regale voll.
Kisten voll.
Schubladen voll.
Und dann dieser Satz, der mich jedes Mal trifft:
„Mamaaa, mir ist langweilig.“
Es sind nicht die Eltern – es ist das ganze System
Das Problem sind nicht die Eltern.
Das Problem ist das Gesamtkonstrukt.
Ein Kind bekommt Geschenke von:
Mama & Papa
Oma & Opa
Tanten & Onkeln
Freund*innen
Nikolaus
Geburtstag
Weihnachten
und mittlerweile auch Ostern
Ein Kind.
Gefühlt zehn bis fünfzehn Schenkende.
Und niemand will der Spielverderber sein.
Also schenken wir.
Alle.
Immer.
Weihnachten: Wenn alles auf einmal kommt
Weihnachten ist der Höhepunkt von allem.
Das Fest der Liebe.
Und der Geschenke.
Sehr, sehr vielen Geschenke.
An Weihnachten passiert das, was sonst übers Jahr verteilt ist:
Geschenke von den Eltern.
Von den Großeltern.
Von der Patentante.
Vom Onkel.
Manchmal sogar noch „eine Kleinigkeit“ von irgendwem.
Ein Kind sitzt unter dem Weihnachtsbaum und packt aus.
Und packt aus.
Und packt aus.
Und irgendwo zwischen Geschenk Nummer fünf und zwölf
geht das Gefühl verloren,
dass hier gerade etwas Besonderes passiert.
Nicht, weil Kinder undankbar sind.
Sondern weil niemand dafür gemacht ist,
so viel auf einmal zu verarbeiten.
Ostern: Wie wurde aus einem Ei ein Spielzeug?
Und dann ist da noch Ostern.
Früher gab es:
bunte Eier
ein bisschen Schokolade
vielleicht ein kleines Nest
Heute gibt es:
Spielzeug
Bücher
Bastelsets
und manchmal gefühlt ein kleines Weihnachten in Pastellfarben
Nicht, weil Kinder das brauchen.
Sondern weil es normal geworden ist.
Überkonsum – nur mit Hasenmotiv.
Meine Kindheit: eine Puppe – und ich war glücklich
Ich hatte in meiner Kindheit eine Puppe.
Eine.
Ich war glücklich.
Ich habe sie angezogen, ausgezogen, überall mit hingenommen.
Ich habe Geschichten erfunden und stundenlang gespielt.
Heute haben Kinder oft:
mehrere Puppen
unzählige Kuscheltiere
Spielzeugkisten bis zum Rand gefüllt
Und trotzdem keine echte Bindung zu irgendetwas davon.
Nicht, weil sie verwöhnt sind.
Sondern weil nichts mehr besonders ist.
Geschenkeblindheit: Wenn nichts mehr ankommt
Ich glaube, wir haben ein neues Problem:
Geschenkeblindheit.
Alles ist ständig verfügbar.
Alles kommt sofort.
Alles ist ersetzbar.
Geschenke werden ausgepackt, angeschaut, zur Seite gelegt.
Nicht aus Absicht.
Nicht aus Undankbarkeit.
Sondern aus Reizüberflutung.
Wenn alles besonders ist,
ist am Ende nichts mehr besonders.
Warum das kaum jemanden stört
Weil Geschenke für so vieles stehen:
für Liebe
für Aufmerksamkeit
für „Ich meine es gut“
Und wer will schon sagen:
„Bitte nichts schenken“?
Also sagen wir lieber nichts.
Und räumen weiter auf.
Und wundern uns, warum unsere Kinder überfordert sind.
Es geht nicht um Verbote. Wirklich nicht.
Ich bin nicht gegen Geschenke.
Ich bin gegen zu viel von allem – ohne Bedeutung.
Es geht nicht darum, alles zu streichen.
Sondern wieder zu fragen:
Was bleibt wirklich?
Was wird geliebt?
Was braucht mein Kind – und was nicht?
Manchmal ist weniger nicht weniger Liebe.
Sondern mehr Raum.
Vielleicht ist „genug“ wieder das neue Ziel
Vielleicht müssen wir nichts abschaffen.
Vielleicht müssen wir uns nur wieder trauen zu fragen:
Wann ist genug eigentlich genug?
Für unsere Kinder.
Und ehrlich gesagt:
auch für uns.
Und jetzt du:
Wie siehst du das?
Haben unsere Kinder zu viele Geschenke?
Oder ist das alles übertrieben?
Schreib mir deine Meinung in dem Kommentarfeld unter diesem Beitrag.



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