Warum wir so gemein mit uns selbst sprechen – und wie du deine innere Stimme stärkst
- Mara Reinders
- 18. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Neulich saß ich mal wieder mit Freundinnen zusammen.
Sie Wein, ich Cola (ihr wisst ja bescheid) Sofa, ehrlicher Deep Talk – du weißt schon.
Irgendwann habe ich diese eine Frage gestellt:
„Wie sprichst du eigentlich mit dir selbst?“
Stille.
Dann Gelächter.
Dann Sätze wie:
„Puh … schlecht.“
„Sehr kritisch.“
„Eher wie mein schlimmster Feind.“
Und dann kam der Satz, der alles auf den Punkt brachte:
„So würde ich niemals mit einer anderen Person sprechen.“
Tja. Willkommen beim Thema innere Stimme.
Wir sind oft unsere schlimmsten Kritiker
Und zwar nicht ein bisschen.
Sondern richtig gemein.
Wir nennen uns:
zu dumm
zu langsam
zu emotional
zu laut
zu wenig
zu viel
Und während wir mit anderen sanft, verständnisvoll und liebevoll sprechen,
stehen wir selbst innerlich stramm und verteilen mentale Ohrfeigen.
Warum eigentlich?
Würdest du so mit deiner besten Freundin sprechen?
Ganz ehrlich:
Wenn deine beste Freundin zu dir käme und sagen würde:
„Ich bin einfach unfähig.“
„Ich krieg nichts richtig hin.“
„Ich bin an allem selbst schuld.“
Was würdest du tun?
A) Nicken und zustimmen
B) Sie liebevoll in den Arm nehmen
C) Ihr eine Liste schreiben, warum sie großartig ist
Richtig. B und C.
Und trotzdem gönnen wir uns selbst genau das nicht.
Warum?
Woher kommt diese harte innere Stimme?
Ein Teil davon ist Erziehung.
Ein Teil ist gesellschaftlicher Druck.
Ein Teil ist dieses ewige Vergleichen.
Und ein riesiger Teil ist schlicht Gewohnheit.
Viele von uns haben gelernt:
streng sein heißt stark sein
Selbstkritik heißt Entwicklung
hart zu sich sein heißt „funktionieren“
Spoiler:
Tut es nicht.
Es macht müde. Und leise. Und klein.
Die gute Nachricht:
Deine innere Stimme ist nicht festgeschrieben.
Du kannst sie verändern.
Und ja: Unsere Kinder lernen sie von uns.
Wie wir mit uns sprechen, hören sie.
Auch wenn wir nichts laut sagen.
5 alltagstaugliche Wege zu einer besseren inneren Stimme
1. Sprich mit dir wie mit einer Freundin
Wenn du merkst, dass du innerlich ausrastest –
halt kurz inne und frag dich:
„Was würde ich meiner besten Freundin jetzt sagen?“
Sag genau DAS zu dir.
Nicht mehr. Nicht weniger.
2. Ersetze Härte durch Wahrheit
„Ich bin so unfähig“ ist keine Wahrheit.
Es ist ein Gefühl.
Besser:
„Ich bin gerade überfordert.“
„Das ist gerade viel.“
„Ich darf müde sein.“
Sanft sein heißt nicht lügen.
Es heißt fair sein.
3. Fang an, deine innere Stimme bewusst zu bemerken
Du musst sie nicht sofort ändern.
Hör ihr erstmal zu.
Würdest du dieser Stimme glauben,
wenn sie von außen käme?
Wenn nein – dann hat sie auch innen kein Recht.
4. Rede laut mit dir (ja, wirklich)
Manchmal hilft es, Dinge laut auszusprechen:
„Ich gebe gerade mein Bestes.“
„Ich darf Fehler machen.“
„Ich bin okay, auch wenn heute Chaos ist.“
Klingt komisch.
Wirkt. Sehr.
5. Sei das Vorbild für deine Kinder
Unsere Kinder lernen nicht aus unseren Ratgebern.
Sie lernen aus unseren Selbstgesprächen.
Wenn du dir selbst mit Respekt begegnest,
lernen sie automatisch:
Ich darf freundlich zu mir sein.
Zum Schluss
Du musst nicht immer liebevoll mit dir sprechen.
Niemand schafft das.
Aber vielleicht kannst du heute anfangen,
nicht mehr gemein zu sein.
Ein bisschen mehr Verständnis.
Ein bisschen mehr Nachsicht.
Ein bisschen mehr „Ich bin auch nur ein Mensch“.
Und falls dir noch niemand gesagt hat:
Du darfst gut mit dir umgehen.
Denn du bist die Stimme, die du dein ganzes Leben lang hören wirst.



Großartiger Beitrag ! Das hab ich gebraucht. Unglaublich wertvoll und ja, sogar umsetzbar. ❤️