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Willensstarke Kinder – Warum manche Minis verhandeln wie Gebrauchtwagenhändler*innen (und weshalb wir Mamas eigentlich eine Gewerkschaft brauchen)

  • Autorenbild: Mara Reinders
    Mara Reinders
  • 8. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit


Es gibt Kinder… und es gibt willensstarke Kinder.

Also jene besonderen Exemplare, die morgens lieber barfuß im Schnee stehen würden, als genau jetzt die ungeliebten Socken anzuziehen. Die verhandeln, diskutieren, feilschen – während du nur versuchst, halbwegs pünktlich das Haus zu verlassen.


Dazu gab es in meinem WhatsApp-Kanal eine Abstimmung, um herauszufinden, wie willensstark eure Kids so unterwegs sind. Und sagen wir mal so:

Level 3–5 waren voll, Level 1 hatte ungefähr so viel Andrang wie Brokkoli auf dem Kinderbuffet.

Also ja – wir sitzen alle im selben Boot. Ein sehr lautes Boot.

 

Was genau sind eigentlich willensstarke Kinder?

Willensstarke Kinder sind nicht einfach nur anstrengend (selbst wenn es sich manchmal so anfühlt).

Es sind Kinder, die…


  • eine sehr klare Vorstellung davon haben, was sie wollen (oder noch klarer: was sie NICHT wollen).

  • extrem autonom orientiert sind: „Ich kann das allein!“ – auch wenn sie es absolut nicht können.

  • sensibel auf Kontrolle reagieren – je mehr Druck, desto mehr Gegendruck.

  • eine große Portion Ausdauer besitzen (in Fachkreisen auch bekannt als: „Ich halte diesen Streit länger durch als du, Mama.“)


Man erkennt sie daran, dass…


  • jeder Übergang („Fernseher aus“, „Schuhe an“, „wir müssen los“) zu einem Mini-Drama werden kann.

  • sie beim Diskutieren rhetorisch oft wirken wie 40-Jährige in einem schlecht bezahlten Bürojob.

  • du abends das Gefühl hast, drei Tarifverhandlungen und einen UN-Gipfel hinter dir zu haben.



Warum sind manche Kinder willensstärker als andere?

Kurzfassung:

Genetik + Temperament + Umfeld = kleiner Endgegner Level 100.


Langfassung:


  • Manche Kinder kommen einfach mit einem stärkeren inneren Motor auf die Welt. Ihr Nervensystem reagiert intensiver, sie spüren Dinge stärker, sie verteidigen Bedürfnisse konsequenter.

  • Auch der Bindungsstil und die Art, wie wir Eltern reagieren, spielt eine Rolle:

    Wer viel Autonomie fördert, bekommt oft Kinder, die diese Autonomie aktiv einfordern.

  • Und ja, manchmal ist es auch einfach schlechtes Timing: müde, hungrig, überreizt – Zack, willkommen im Showdown.


Wichtig: Ein willensstarkes Kind ist kein schlechtes Kind.

Es ist ein Kind mit extra viel Charakter, der später zu Mut, Führungskraft und Selbstsicherheit wird – wenn wir Mamas vorher nicht die Nerven verlieren.




Die besten Hacks für den Alltag mit einem willensstarken Kind

Damit das Zusammenleben weniger nach Kampfmodus und mehr nach Kooperation aussieht, habe ich hier deine Methoden eingearbeitet.

 

1. Die Morgenroutine-Methode: 2 Optionen, ein Frieden

Willensstarke Kinder brauchen Mitspracherecht wie wir Kaffee am Morgen.

Beispiel:


  • „Willst du zuerst Zähne putzen oder dich anziehen?“

  • „Möchtest du die rote Jacke oder die blaue?“


Das Kind bekommt das Gefühl: Ich entscheide!

Du bekommst das Gefühl: Wir kommen doch noch irgendwann aus dem Haus!


Win-Win.


 

2. Die 5-3-1-Methode: Der goldene Countdown des Überlebens

Diese Methode kündigt einen Wechsel an – ohne dass du gleich in Diskussionen versinkst.


So geht’s:


  • 5 Minuten vorher: „In fünf Minuten mache ich den Fernseher aus.“

  • 3 Minuten vorher: „In drei Minuten fahren wir los.“

  • 1 Minute vorher: „In einer Minute ziehen wir Schuhe an.“


Kinder bekommen Zeit, ihr Gehirn umzuschalten.

Du bekommst weniger Drama. Meistens. (Ich verspreche nichts.)



3. Plan B – Gemeinsam einen Kompromiss finden

Perfekt für Situationen, in denen dein Kind emotional festhängt wie ein iPhone mit 1 % Akku.


Schlüssel-Sätze:

„Ich sehe, du bist frustriert.“

„Lass uns einen Plan finden, der für uns beide okay ist.“


Plan B bedeutet:

Bedürfnisse ernst nehmen

gemeinsam Lösungen finden

ohne dass du deine Grundsätze über Bord wirfst

 


4. Gemeinsame Hausregeln – frühzeitig Stress sparen

Kinder lieben Struktur.

Willensstarke Kinder brauchen Struktur.


Beispiele:


  • Beim Essen bleiben wir am Tisch.

  • Morgens zieht jeder sich erst an, dann wird gespielt.

  • Es wird nicht geschrien – auch nicht, wenn Mama wieder den falschen Teller gewählt hat.


Tipp: Regeln am besten gemeinsam beschließen – das steigert die Akzeptanz enorm.

 


5. Grenzen setzen (und konsequent bleiben!)

Der schwierigste Part.

Denn ja: Man muss Dinge 20 Mal sagen, bis sie sitzen.

Bei manchen Kindern auch 200 Mal – aber wer zählt schon?


Und bitte: Nehmt eure Männer mit ins Boot.

Wenn nur eine Person konsequent ist, während der andere lustig Sonderrabatte verteilt („Ach komm, einmal geht’s noch…“), dann funktioniert keine Regel der Welt.


 

6. Verantwortung abgeben – Kinder dürfen Konsequenzen spüre

Willensstarke Kinder wollen Verantwortung übernehmen.


Also:


  • selbst entscheiden

  • aber auch Konsequenzen tragen


Und nein: Wir puffernde Mama-Kissen sollten nicht immer alles weich abfedern.

Konsequenzen machen nicht kaputt – sie machen selbstbewusst.


Natürlich altersgerecht. Kein Vierjähriger soll seine Steuer machen.



7. Emotionale Nähe trotz starker Meinung

Willensstärke ist eng mit Emotionen verknüpft.

Deshalb brauchen diese Kinder besonders viel Nähe.


Konkreter Tipp:

  • Die ersten drei Minuten des Tages: nur Verbindung, Nähe, Blickkontakt.

  • Die letzten drei Minuten des Tages: runterfahren, kuscheln, Sicherheit geben.

  • Nach Kita/Schule: kurzes „Wir kommen an“-Ritual, bevor der Alltagswahnsinn wieder startet.


Diese kleinen Inseln stärken das Band – und ihr beide blüht daran.


 

Warum es großartig ist, ein willensstarkes Kind zu haben

Ja, es ist anstrengend.

Ja, wir alle hätten gern mal ein Kind, das einfach macht, was man sagt.

Aber:


Willensstarke Kinder haben Rückgrat.

Sie lassen sich später nicht manipulieren.

Sie stehen für sich ein.

Sie sind leidenschaftlich, kreativ, mutig.

Sie können großartige Führungspersönlichkeiten werden.


Und irgendwann, wenn sie erwachsen sind, erzählen sie vielleicht:


„Meine Mama hat mich nie gebrochen.

Sie hat mir beigebracht, wie ich meine Stärke richtig einsetze.“


Bis dahin brauchen wir Mütter aber wirklich eine Gewerkschaft.

Mit Kaffee-Flatrate. Und Nerven aus Stahl.




 
 
 

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